Registrierkasse 2016, Änderungen 2017

Den vermutlich größten medialen Aufschrei der Steuerreform verursachte die Bekanntgabe der neuen verpflichteten Registrierkasse ab einem Jahresumsatz von € 15.000 (statt bisher € 150.000) beginnend mit 2016. Zusätzlich wurden die technischen Anforderungen massiv verschärft, um die nachträgliche Manipulation einzuschränken. Verschiedene Inkrafttretungszeitpunkte tragen zusätzlich zur Komplexität bei.

WER?

Jeder Betrieb, der mehr als € 15.000 an Gesamtumsatz und mehr als € 7.500 an Barumsätzen erzielt.

Die Regelung gilt nicht nur für Handels- und Gastronomiebetriebe, sondern u.a. auch für Dienstleister wie bspw. Ärzte, Notare und Rechtsanwälte.

AUSNAHMEN?

Nur mehr eingeschränkt, die „Kalte Hand Regelung“ betrifft z.B. Maronibrater, Christbaumverkäufer, Schirmbars und Verkaufsbuden, die bis € 30.000 Jahresumsatz erwirtschaften und auf öffentlichen Straßen oder Plätzen (ohne feste Umschließung) tätig sind. Auch Onlineshops sind aufgrund fehlender Barumsätze nicht betroffen. Bei vor dem 01.01.2016 in Betrieb genommenen Automaten gibt es eine Übergangsfrist bis Ende 2026, Automaten mit geringen Umsätzen (Einzelumsatz < € 20) sind vollkommen ausgenommen.

AB WANN?

Drei Monate Puffer, nachdem die Umsatzgrenze überschritten wurde, frühestens ab 01.05.2016. Beispiel: Überschreiten der € 15.000 Umsatz im Oktober 2016, ab 01.02.2017 Registrierkassenpflicht.

WIE?

Alle Barumsätze müssen ab Eintritt der Registrierkassenpflicht einzeln und mittels einer elektronischen Registrierkasse oder eines elektronischen Kassensystems erfasst werden. Gleichzeitig muss ein Beleg mit gesetzlich vorgeschriebenen Mindestinhalten ausgestellt und dem Kunden (unaufgefordert!) ausgehändigt werden.

PROBLEMATIK

Da noch nicht alle Gesetze beschlossen wurden und auch die Verordnungen noch nicht erlassen wurden ist noch vieles unklar. Wir empfehlen, die Infoseite des BMF (Link) in regelmäßigen Abständen zu besuchen, auch die Seite der Wirtschaftskammer (Link) bietet wichtige Anhaltspunkte.

SANKTIONEN

Die Folgen bei Nichteinhaltung können äußerst schmerzhaft sein: Angefangen bei einer Strafe bis zu € 5.000, über die möglicherweise weitaus schwerwiegendere Schätzungsbefugnis aufgrund nicht ordnungsgemäßer Führung der Bücher und (Grund-)Aufzeichnungen bis hin zu Strafen von € 25.000 bei manipulierter Registrierkasse.

NEWS / UPDATES

RKSV bis spätestens 31.03.2017
Die Registrierkassensicherheitsverordnung, die mit 1. April 2017 in Kraft tritt, bedeutet leider einmal mehr das Überwinden von technischen Hürden für jedes registrierkassenpflichtige Unternehmen. Durch diese Verordnung soll die Manipulation von Registrierkassen nahezu unmöglich gemacht werden, da jeder Beleg einen QR-Code (steht für Quick Response) enthalten muss, der eine chronologische Verkettung der vorherigen Umsätze bewirkt. Jede Registrierkasse muss außerdem mit einer individuellen elektronischen Signatur beim Finanzamt registriert werden, die technische Umsetzung ist bei vielen Kassenfirmen noch immer unklar. Bleiben Sie bitte diesbezüglich im eigenen Interesse am Ball und warten Sie auf Informationen seitens der Hersteller. Ein größerer (einmaliger?) administrativer Aufwand im ersten Quartal 2017 wird leider zu erwarten sein.

Comments: 2

  1. Posted by Klaus 08 Okt 2015 at 20:12 Reply

    Hallo Werner! Da hier scheinbar niemand einen Kommentar hinterlassen will, mache ich das :-)

    Sehr schöne Zusammenfassung – und gleich 2 Fragen in diesem Zusammenhang:

    1) Buffet-Betrieb in einer Schule – fällt aus der „Kalte Hand Regelung“ – Registrierkassenlösung bei zig Schülern in kurzen Pausen nicht machbar – Lösung?

    2) Betrieb fällt aufgrund Bareinnahmen 2015 ab 2016 in die Registrierkassen-Pflicht, ab 2016 jedoch nur mehr Einnahmen über Bank, da nichts mehr bar kassiert wird. Bleibt die Registrierkassenpflicht „auf ewig“ aufrecht?

    lg
    Klaus

    PS: Der Link zur Infoseite des BMF funktioniert nicht

    • Posted by Werner 19 Okt 2015 at 14:30 Reply

      Hallo Klaus, danke für den ersten Kommentar! Zu deinen Fragen:

      ad 1) Hier kann ich mir keine „reguläre“ Ausnahme vorstellen. Natürlich ist das alles sehr stressig, allerdings habe ich einige Gastro-Kassen probiert, das Bonieren geht tatsächlich sehr flott und ist in wenigen Sekunden (für eine Wurstsemmel und ein Cola stelle ich mir 5-10 Sekunden vor) erledigt. Gerade bei einem Schulbuffet gibt es zum Glück üblicherweise nicht hunderte Artikel. Vorteile sind Summenbildung, Rückgeldberechnung sowie statistische Auswertungen. Eventuell kommt es in der künftigen Gesetzgebung noch zu weiteren Ausnahmen.

      ad 2) Haben einen ähnlichen Fall. „Auf ewig“ bleibt nichts aufrecht, d.h. spätestens ab 2017 ist der Betrieb wieder von der Registrierkassenpflicht befreit, wenn er 2016 und voraussichtlich auch in den Folgejahren Barumsätze unter EUR 7.500 erzielt. 2016 müsste er m.E. eine Registrierkasse führen, was natürlich einen Härtefall darstellt. Auch hier kommt es bis Jahresende eventuell (bzw. hoffentlich!) noch zu Konkretisierungen hinsichtlich des Gesetzgebers.

      Liebe Grüße,
      Werner

      PS: Danke, Link wurde wiederhergestellt.

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